JORDAN WATEV

 

 

DIE SINTFLUT

 

 

Den Leidtragenden

 

1.

Gott sprach zu mir:

“Schwarz ist die Erde vor meinen Augen.

Wolken häufen sich über sie.

Die Berge beugen sich vor der Bosheit

Die Menschen kennen keine Gnade.

Ihr Herz ist ein Steinhaufen.

Trockene Winde wehen um sie.

Zu Tigern sind die Menschen geworden.

Leise sind ihre Schritte.

Zähne fletschen sie bei Vollmond.

An ihre Opfer werfen sie sich hin.

An ihren Knochen nagen sie.

 

2.

Ihre Felle werfen sie weg.

Das Stöhnen des Armen,

Das Ächzen des Kranken,

Das Flehen des Schutzlosen,

Das Weinen des Einsamen,

Das Murmeln des Hungerden,

Das Murren des Getäuschten hören sie nicht

Dem Ausgebeuteten saugen sie den Schweiß ab.

Dem Unschuldigen rauben sie das Leben.

Dem Gerechten legen sie Stricke an.

Zu Gutem habe ich sie erschaffen.

In Schlechtigkeit finde ich sie.

 

3.

Bosheit entstellt ihre Gesichter.

Kein Lächeln auf ihren Lippen.

Blutrünstig sind ihre Augen.

Nimmersatt ihre Hände.

Geist von meinem Geiste

Vernunft von meiner Vernunft

Wort von meinem Worte habe ich ihnen gegeben.

Sie wendeten sich von meinem Gesetz ab.

Mein Licht haben sie gelöschten.

Meine Wahrheit haben sie vergessen.

Finsternis und Gesetzlosigkeit herrschen über ihr Leben.

Zu Wölfen in Schaffellen sind sie geworden.

 

4.

Die Sonne entschwindet vor ihren Übeltaten.

Die Meerestiefen erröten vor ihren Verbrechen.

Die Sterne weinen vor ihrem Sinnen und Trachten.

Der Mond schluchzt unter ihren Sohlen.

Ich bestrafe sie!

Ich zerschlage ihre Alleinherrschaft!

Ich entziehe ihnen die Reichtümer!

Ich stopfe die Quelle ihrer Lügen!

Ich reisse ihnen die Augenlider!

Ich biege die Wirbelsäule ihres Stolzes!

Ich bringe sie dazu, meine Macht zu erkennen,

Ich bringe sie dazu, daß sie Schöpfung meiner Wille sind, zu vergessen!

 

5.

Mir reißt die Geduld.

Meine Erde haben sie besudelt.

Mein Herz erträgt den Anblick nicht mehr.

Unverschämt sind sie.

Erfüllt mit Verbrechen.

Sie meinen, ich sehe sie nicht.

Ich lösche das Licht ihrer Tage.

Finsternis wird sie umfangen.

Ich lasse Fluten aus meinen Himmeln nieder.

Ich mache die Abgründe unter ihren Füssen auf.

Ich mache sie zu Schatten in der Welt des Grauens.

 

6.

Ihrem Haß lege ich Fesseln an.

Ihre Kehlen werde ich mit Feuer versiegeln,

Ihre Heuchelei mit Dröhnen verstopfen.

Ich werde die Erde erschütteln.

Ich zerbreche den Zeiger der Zeit.

Mögen sie erkennen, daß ich der Gott bin!

Mögen sie erkennen, daß ich alles heimzahle,

Diebstahl und Gewalt, Laster und Verbrechen.

Die Gerechtigkeit ist bei mir.

Die Wahrheit ist in meinem Herzen.

Die Waage ist in meiner Hand.

 

7.

Unbestechlich ist mein Richten.

Wie gehandelt , so werden sie gerichtet.

Was gesät worden – ist gesät,

Was gemäht worden – ist gemäht!

Keiner kann meinem Willen widerstehen.

Ich bin der Herr der Zeiten.

Mein ist das Weltall –

Die Sterne und die Planeten.

Ich gebe den Rythmus der Jahreszeiten an.

Winter und Sommer,

Herbst und Frühling

Kommen und vergehen meinem Willen nach.

 

8.

Ich schenke Leben in den Tiefen des Unendlichen,

Im Schosse der Zukunft.

Die irdischen Herrscher sind vertrocknetes Gras

Unter meinen Schritten,

Trockener Sand unter meinen Füssen.

Höre zu, mein Sohn!

Wende dein Ohr dem Ewigen zu,

Vernehme meine Stimme

Durch das Getöse meines Zornes!

Ich mache die Tore der Flut auf.

Ich habe keine Gnade!

Ich bringe die Flut über die Erde und alles darauf:

 

 

 

9.

Tempel und Paläste,

Gebirge und Land,

Meere und Ozeane.

Sieben Tage und sieben Nächte wird die Flut toben,

Sich aus meiner Hand ergiessen.

Gewaltige Wellen werden entstehen

Und danach sich legen.

Die Wässer werden glatt wie ein Spiegel,

Eins mit dem Himmel werden.

Ein Haar wird sie zu trennen nicht vermögen.

Sünder und Gerechte, Tiere, Fische und Vögel,

Alle werden verderben.

 

10.

Die Erde wird aus meinem Blick verschwinden.

Hab keine Angst! Ich erhebe dich über die Wässer.

Und kein Tropfen wird auf dich fallen.

Du bist der Liebling meines Herzens.

Ich erschaffe neue Erde und neuen Himmel.

Leben schenke ich den Seelen der Gerechten,

Den Tieren, den Fischen und den Vögeln.

Du wirst über die Auserwählten herrschen,

Von den Mauern des Ostens bis zu den Mauern des Westens,

Von den Mauern des Nordens bis zu den Mauern des Südens.

Du wirst die Tore meines Reiches auf- und zuschliessen.

 

11.

Du sollst meinen Namen preisen,

Das Lied meines Ruhms singen.

Ich segne dich mit Kraft, Worte zu setzen.

Halte dich an mein Gewand !

Mein Gott, ich traue mich nicht, meinen Blick zu erheben.

Wie könnte ich in Dein Licht hinschauen?

Meine Augen vernebeln sich.

Ich traue meinen Ohren nicht!

Ich schlafe nicht , bin aber auch nicht wach,

Ich vernehme Deine Stimme und folge Deinen Gedanken.

Wahrlich ist es, mein Gott, die Bosheit bezwang die Erde.

Gerecht wird Deine Vergeltung sein.

 

12.

Einsamkeit und Leid sind die Menschentage,

Das sehe ich von den Wegen meines Lebens.

Wem könnte ich meine Seele eröffnen?

Wem könnte ich mein Herz ausschütten?

Die Leute stossen mich aus.

Sie verhöhen mich hinter meinem Rücken, Beklatschen mich überheblich,

Weisen auf mich mit Finger,

Beneiden mich in den Falten ihrer Bosheit.

Sie reden unter sich “Der Selige geht vorbei.

Er hat nichts zum Verzehren.

Gedichte sind seine Nahrung,

 

13.

Traumschatten sind ihm Wasser,

Wolken sind seine die Worte.

Er kümmert sich um das Wohl der Anderen,

Seine Geldbörse ist aber leer.

Freude schenkt er, tot ist aber sein Garten!”

Es tut mir nicht Leid, mein Gott, es tut mir nicht Leid.

Sie kennen ihre Wege nicht.

Sie begeben sich zum Gipfel ihrer Habgier

Und stürzen in den Abgrund ihrer Irrtümer.

Tot sind ihre Augen,

Nichtausgeweinte Trennen haben sich unter ihren Lidern gestaut.

Taub sind ihre Ohre für den Gram des Schweigenden,

Taub für die Erwartungen des Hoffnungshegenden.

 

14.

Groß sind ihre Schritte zum Berg des Reichtums.

Mordtaten und Gewalt sind die Früchte ihrer Bosheit.

Gewaltig ist ihre Hochmut,

Gewaltiger als der Orkan über den Ozeanen,

Mächtiger als die Szepter der Könige.

Erloschen ist das Licht in ihren Fenstern,

Sie können das Ende ihrer Tage nicht sehen.

Der Pfeil kehrt ins Herz des Räubers zurück.

Es gibt keine Rettung.

Bestrafe sie, mein Gott, entziehe nur nicht das Licht ,

Das Säuseln des Windes und das Atmen der Luft,

 

15.

Die Tropfen des Regens,

Den Gesang der Vögel,

Die Schritte der Hirsche,

Die Sprünge der Eichhörnchen,

Das Rauschen der Tannen,

Das Lied der Bäche,

Die grünen Wellen auf der Wiesen,

Das Blöken der Lämmer,

Die Pracht der Blumen,

Das Summen der Bienen.

Dein Wort ist Gesetz, in Deinem Geiste liegt die Kraft.

Neue Erde und neuer Himmel werden Deinen Ruhm umkranzen.

 

16.

Gott spach zu mir:

“Erhebe Deinen Blick!

Hab keine Furcht, mein Gesicht zu erblicken.

Ich bin da, doch kannst du mich nicht sehen.

Höre den Worten deines Herzens zu,

Halte dich an den Saum meines Gewandes.

Ich erhebe dich hoch über die Welten.

Jetzt lasse ich die Fluten hinunter.

Die Erde wird von deinem Blick verschwinden.

Die Seelen meiner Menschen rufe ich heran.

Versuche nicht, mich zu finden.

Du hast mir in deinem Herzen begegnet.

 

17.

Einen Hort habe ich in deiner Brust aufgebaut,

Ein Heiligtum in deiner Seele geweiht ,

Eine Burg in deinem Geiste errichtet,

Einen Weg vor deinen Füssen gelegt. Ich bin ewig und unsichtbar,

Aber ich sehe die Last der Ameise

Am Boden des Abgrunds

Und das Glitzern der Perle in der Muschelschale

Am Boden des Ozeans.

Suche mich nicht in das All der Sterne,

Auf die Pfade der Winde,

Auf die Felder und in die Blumen,

Auf den Flügeln der Vögel,

 

18.

in den silbernen Tropfen der Regen,

auf die Äste der Bäume,

In den Kelchen der Blumen,

In den weichen Schleier der Schneeflocken,

In den bunten Regenbogen über die Berge,

In die rosarote Kleidung des Morgens,

In die Flamme der Sonne,

In die Palette des Sonnenuntergangs,

In den stillen Weg des Mondes,

In die Weihrauchfässer der Priester,

In die gamalten Gestalten der Ikonen,

Auf die Glasmalereien der Kirchen.

 

19.

“Ich bin überall und nirgendswo.

Halte dich fest an mein Gewand,

Stärke deinen Geist in mein Wort.

Ich erhebe dich oberhalb der irdischen Gipfel,

Ich mache dich zum Zeuge meines Zorns,

Zum Freund meiner Freude,

Zum Tröster der Gerechten,

Weil du von Gesetzlosen,

Überheblichen und Seelosen,

Von Dieben und Übeltätern bedränkt worden warst.

Ich nehme sie unter meinem Flügel nicht,

Ich rette sie vor dem tötendem Schnabel und den Krallen des Adlers nicht.

 

20.

Und Gott erhob mich über die irdischen Gipfel.

Ich hielt mich fest an den Saum Seines Gewands.

Die Erde schwebte wie ein Blatt in den Raum.

Tobend sausten die himmlischen Winde.

Finsternis und Dröhnen verschlangen die Erde.

Sieben Tage und sieben Nächte strömte die Flut. Berge versanken in klaffende Abgründe.

Altäre stürzten zusammen.

Die Paläste der Herrscher wurden Lehm und Asche.

Die Städte verschwanden unter den Wellen.

Die Menschen schrieen, in Pnaik suchten sie Pfade,

Sie streckten Arme nach dem Allmächtigen für Gnade.

21.

Sie wanden sich unter den Schlägen Seines Zornes. Tod herrschte über die Zeit.

Gott sprach zu mir:

“Blicke nicht zurück!

Laß die Toten, umsonst um Gnade flehen.

Starre nicht in die Gesichter der Schatten,

Löcher sind ihre Augen.

Feuerschlangen strecken ihre Köpfe daraus,

Die Messer ihrer Zungen drehend.

Das waren meine Menschen – die Herren des Vergänglichen!

Habichtsneste waren ihre Herzen.

Fleisch zerrten ihre Schnäbel.

 

22.

Mit Blut waren ihre Füsse besudelt.

Hunger und Kriegen lieferten sie meine Erde aus,

Luft und Wasser vergifteten sie mit,

Meine Geschöpfe vernichteten sie. Wie kann ich Erbarmen mit ihnen haben!

Ich will sie nicht mehr sehen! Ich will von ihnen nicht mehr hören!

Ich hätte sie nicht erschaffen,

Ich hätte Ihnen kein Leben einhauchen müssen.

Ich reisse ihnen die Feder ab und werfe sie in den Abgrund der Leere.

Ich mache sie zu Staub aus erstarrter Lava unter meinen Füssen.

Ich zerstreue den Staub in die vier Richtungen der Winde,

Über die vier Felder des Weltalls,

So daß kein Körnchen davon übrigbleibt.

 

23.

Ich hatte es satt, den Übeltaten der Bösen,

Den leisen Schritten der Diebe,

Den blutrünstigen Augen der Mörder,

Den langen Fingern der Habgierigen,

Dem Eis in den Herzen der Überheblichen

Der Sandwüste in den Seelen der Betrüger,

Den Versprechungen der Machhabenden in bunten Gewändern,

Den Krokodilen, in Schaffellen umhüllt,

Den Wölfen, mit Hirschgeweihen geziert, zuzusehen.

Ich werde sie mit meiner Gewalt zerdrücken!

Ich werde sie aus dem Buch der Zeit tilgen.

Die Geduld, die mir noch übrigblieben, ist so groß,

Wie eine Erbse in meiner Hand.

 

24.

Die Erde verschwand von meinem Blick,

Das Dröhnen legte sich still.

Die Flut hörte auf.

Das Wasser wurde glatt wie ein Spiegel. Es wurde eins mit dem Himmel.

Stille trat über die Erde ein.

Gott sprach zu mir:

“ Gehe von mir nicht weg,

Weiche von meinen Schritten nicht ab!

Erhebe deinen Blick,

Schau auf mein Gesicht !”

In Furcht erhob ich mein Gesicht

Und sah ein starkes Licht und hörte Seine Stimme:

 

25.

“Das habe ich mit meinen Menschen getan!

Sie dünkten sich mächtiger als mich, Ihren Gott.

Sie spannen Ränke, meinen Willen achteten sie nicht,

Weder mein Wort, noch ihren Nächsten.

Sie vernichteten meine Schöpfungen.

Ich habe sie bestraft.

Ich habe die Erde unter der Last der Flut geborgen.

Keiner vor ihnen konnte entkommen.

Jetzt rufe ich die Schatten der Toten vor meinem Thron herauf.

Du wirst an meiner Seite stehen und meinem Richten zuhören.

Ich lade diese vor, die in ihrem Leben Übel anrichteten,

Du sollst das letzte Wort meines Willens verkünden! “

 

26.

Ich stellte mich an die rechte Seite des Lichtes.

Ich sah einen Ozean von Schatten,

Sie lagen mit ihren Gesichtern nach unten.

Riesige Schlangen wachten an den Ufern.

Fürchterlich zischten die Wächter.

Wer kann aus dem Jenseits zurückkehren?

Wer kann sagen: “Ich bin mächtiger als der Gott”?

Ich dachte mir: “Wo ist ihr Ruhm?

Wo ist ihre Macht?

Wo sind ihre Schätze?

Wo sind die Pfeile ihrer Bosheit?

Wo sind die Weiten ihrer Reiche?

 

27.

Gott gab ein Handzeichen

Und ein Engel mit blondem Haar und blauen Augen kam heran;

Wie Sonne strahlte sein Gesicht,

Wie Pappelblätter flatterten seine Flügel.

Gott sprach zu ihm: ”Hol das Buch des Lebens!”

Der Engel holte es.

“Schlag das Buch des Lebens auf!”

Der Engel schlug es auf.

Gott sprach zu ihm:

“Stell dich an meine Linke mit dem Buch des Lebens!”

Der Engel stellte sich.

 

28.

Gott sprach zu den Schatten.

Seine Stimme dröhnte durch das All.

Die Schlangen hörten auf zu zischen .

Die Schatten trauten sich nicht, ihre Geichter zu erheben.

Sie lauschten auf die Worte des Ewigen:

“Ausgeburten mondloser Finsternisse,

Ich weiß, was ihr auf die kurzen Pfade des Vergänglichen

Angerichtet habt.

Hier steht alles über eure Gesetzlosigkeiten der Reihenfolge nach aufgeschrieben.

Ihr sagtet mit unbewegten Mienen,

Mit von Haß erbleichten Lippen: “Es gibt keinenGott!”

Liegt jetzt vor meinem Thron und sagt noch einmal “Es gibt keinen Gott !”

 

29.

Unselige Schatten! Ich beschenkte euch mit Leben,

Meinem Volke raubtet ihr das Leben .

Dem Hungerden risst iht den Bissen ,

Dem Durstenden trankt ihr den Trofpen,

Dem Nackten nahmt ihr das Hemd weg.

Mit Lügen stricktet ihr eure Übeltaten um.

Eure Augen waren geschlossen, eure Ohren waren verstopft

Für die Wahrheit und die Gerechtigkeit.

Für eure Taten werdet ihr jetzt belohnt.

Eure unbarmherzigen Seelen werde ich richten.

Ihr werdet in die Finsternis irren, ohne einen Weg zurück.”

 

30.

Ich sah das Licht,

Den Engel mit dem aufgeschlagenen Buche,

Und die aus Angst geduckten Frevler an,

Und sprach tief in meinem Herzen:

Mit ihren Taten auf die irdischen Wege,

Haben sie gegen Dein Gesetz, mein Gott,

Gegen die Ordnung deiner Schöpfungen verstossen,

Ihren Willen haben sie aufzwingen wollen.

Vergib ihnen, mein Gott, bestrafe sie nicht.

Lasse sie nicht in die Ewigkeit stöhnen.

Gib ihnen einen Funken von Deinem Licht,

Lasse ihre Schritte in ein neues Buch aufschreiben.

 

31.

Gott sprach zu mir:

“Dein Wort geschehe, mein Sohn!

Ich lösche die Spuren ihrer Bosheit,

Ich streue Asche auf ihre Übeltaten,

Ich schliesse meine Augen vor ihren Sünden.

Ich vergesse, daß sie mein Gesetz verletzt haben,

Daß sie, in ihrer Überheblichkeit meinen Namen verschmäht haben.

Aus dunklen Schatten verwandle ich sie in Sterne,

In einen neuen Himmel, über eine neue Erde.

Friede soll ihre Seelen erfüllen,

Licht soll ihre Tage umgeben.

 

32.

Gott winkte mit der Hand,

Das Buch des Lebens wurde zugemacht.

Die Schlangen krochen weg.

Die Schatten richteten sich auf,

Schauten zum Licht auf

Und verbeugten sich vor ihm.

Musik ergriff die Sphären.

Die Tore der Zeit machten sich auf.

Die Augen der Schatten erfüllten sich mit Freude,

Die Vergebung erhellte ihre Herzen,

Sie erkannten den Ruhm und die Barmherzigkeit des Allmächtigen,

Die Macht des Ewigen.

 

33.

Gott sprach zu mir:

“Ich vernahm die Stimme deiner Seele,

das Verlangen deines Herzens.

Auf mich hast du dich während der Stunden deiner Leiden,

In der Einsamkeit deiner Tage gestützt.

Wort zu deinem Worte,

Libe zu deiner Liebe,

Geduld zu deiner Geduld,

Geist zu deinem Geiste gebe ich bei.

Dein Urteil wird ins Buch der Zukunft aufgeschrieben.

Es wird durch die Zeiten aufrechterhalten.

Du liebst mich!”

 

34.

Großartig ist Deine Liebe, mein Gott!

Unermesslich ist Deine Macht!

Du hast gespochen:”Es werde!”

Und es ist gewoden.

Sonnenuntergang und Sonnenaufgang verbeugen sich vor ihr.

Das Weltall umschliesst mich in seine Umarmung.

Frühling kommt, Frühling vergeht,

Winter kommt, Winter vergeht,

Die Quelle versiegt nicht.

Tiefen und Höhen stimmen mir ein.

Sonne und Sterne lachen mir zu.

Der Mond schaut mild auf mich.

 

35.

Dem Allerhöchsten gilt die Zeit nicht.

Die Jahrhunderte sind nur ein Stäubchen in Seiner Hand.

In Seinem Licht schwinden die Schatten der Toten.

Sein Atem haucht Leben ein.

Mein Gott, gesegnet sei Deine Hand!

Du hast mich vor den Fluten gerettet,

Du hast mich über den Weg des Planeten gehoben.

Mein Wort ist ein Grashalm im Winde.

Wie kann ich Dich preisen?

Wie kann ich es aussprechen: “Ich liebe Dich, mein Gott.”

Meine Augen sind gesenkt.

Meine Lippen sind geschlossen.

 

36.

Und mein Herz sagt:

“Ich kenne Deine Güte, mein Gott!

Sie ist die Stärke meines Lebens,

Das Feuer meiner Tage,

Die Gedichte meiner Seele.

Ich habe keine Furcht vor den Stürmen,

Ich habe keine Angst vor den Fallen der Bösewichter,

Ich empfinde keine Scheu vor dem Blick der Herren,

Ich höre dem Gerede der Gesetzsetzer nicht zu.

Du bist mein Gott und Beschützer.

Dir eilen meine Schritte zu.

Dir entgegen strecke ich meine Arme.

 

37.

Meine Gedanken fliegen zu Dir.

Du hast mich nicht verlassen

Und wirst mich niemals verlassen.

Du wirst dein Gesicht von mir nicht wenden,

Verächtlich an mir nicht vorbeigehen.

Beschütze mich, mein Gott, beschütze mich!

Laß mir Dein Licht zuteil werden!

Tröste meinen Geist!

Beschenke mich mit Kraft!

Kraft gib mir, mein Gott!

Bescher mir Freude!

Verberge mich in Deiner Umarmung!

 

38.

Leg Worte in mein Herz!

Leg Barmherzigkeit in meine Seele,

Und Wahrheit in meine Taten!

Lehr mich, mein Gott, zu vergeben

Und kein boshaftes Wort an meinen Nächsten zu richten.

Lehr mich zu verzeihen Dem Dieb, der mein Heim beraubt,

Dem Lügner, der mein Vertrauen eingellult,

Dem Herzlosen, der meine Liebe verschäht.

Gib mir die Kraft, mein Gott, die Wunden ihrer Seelen zu heilen,

Im Licht Deiner Gerechtigkeit zu schreiten,

Dich in der Stille meines Geistes zu preisen!

 

39.

Ich konnte nicht sprechen – meine Rede herrscht über Tausende,

Hübsch bin ich nicht – Liebe begegnet mir auf meinen Wegen,

Bejahrt bin ich – die Jugend ist der Freund meines Herzens.

Wunderbar sind Deine Gaben, mein Gott!

Unsagbar ist Deine Güte!

Herrlich ist Deine Großzügigkeit!

Die Zeiten reichen nicht aus, sie zu beschreiben.

Meine Sprache kann Worte dafür nicht finden.

Meine Vernunft kann sie nicht erfassen.

Farblos ist die Musik, um sie zu verherrlichen.

Welcher Bildhauer könnte ihr Bild meisseln,

Welcher Maler - ihre Schönheit wiedergeben?

 

40.

Welcher Dichter könnte die Reime ihrer Zärtlichkeit setzen.

Ich bin entzückt, mein Gott!

Du weilst in meinem Herzen.

Du kennst meine Gedanken, bevor sie ausgesprochen.

Du kennst den Schritt, bevor er gemacht.

Du kennst meine Not, bevor sie gestammelt.

Du hast für mich das Tor vor dem Tode gesperrt.

Du hast mich vor der Schlange geschützt, bevor ich auf sie trete.

Du hast mich bis auf Deinen Thron erhoben.

Du hast mich berufen, Deinen Namen zu flüstern.

Du hast mir beschert, meinen Blick auf Dein Licht zu richten,

Aus dem Kelch Deiner Weisheit zu trinken.

 

41.

Groß ist Deine Liebe, mein Gott!

Groß ist sie!

Wer könnte sie mir wegnehmen?

Wer würde sich erdreisten, sie mir zu rauben?

Wem würde es gelingen, sie aus meinem Leben zu reissen?

Ich danke Dir, mein Gott!

Ich danke Dir!

Möge Dein Ruhm durch die Tausenden von Jahrhunderten fortdauern.

Gott sprach zu mir:

“Dieser Engel wird dein Freund und Beschützer,

Und dein Gefährte sein.

Du sollst dich vor nichts fürchten.

 

42.

Ich sende ihn mit dir.

Reisse ihn aus deinem Herzen nicht.

Ich schaute zum Engel

Und sah Treue in seinen Augen.

Ich erfreute mich an seiner Schönheit

Und wurde dessen bewußt, daß ich ihm teuer war.

Dann stieg ich vom Platz neben Gottes Thron ab.

Und setzte mich auf die siebte Stufe der Treppe.

Zwei weiße Adler standen an beiden meinen Seiten.

Ich schaute hinunter und sah:

Auf der sechsten Stufe zwei weiße Tauben,

Auf der fünften Stufe zwei weiße Hunde,

 

43.

Auf der vierten Stufe zwei weiße Hirsche,

Auf der dritten Stufe zwei weiße Katzen,

Auf der zweiten Stufe zwei weiße Lämmer,

Auf der ersten Stufe zwei goldene Löwen.

Der Engel stellte sich vor mich

Und machte das Buch der Zukunft auf.

Wie ein Lied klang seine Stimme.

Ich lauschte den Gottes Worten zu.

Weisheit floss in meine Seele,

Meine Gedanken tränkte sie,

Salz gab sie meinem Herzen

Und Brot meinem Geiste.

 

44.

Herrlich ist Deine Weisheit, mein Gott!

Süsser als Honig ist Deine Wahrheit!

Ich verberge sie im Inneren meiner Vernunft.

Ich offenbare sie Deinen Menschen.

Stolz ist meine Seele,

Fröhlich ist mein Herz.

Deine Hand liegt auf meinem Schulter.

Dein Hauch umweht mein Gesicht.

Gib mir Stärke, mein Gott,

Daß Millionen von Heeren mich nicht erschrecken,

Daß Millionen von Schlägen mich nicht töten.

In den Worten des Engels höre ich Dein Wort:

 

45.

“Die Weisheit ist die Sonne über die Zeiten.

Sie steckt in den Seiten nicht.

Die Gelehrten haben sie in ihren Büchern nicht ergründet.

Die Händler haben sie auf den Märkten nicht feilgeboten.

Die Weisheit ist der Weg zum Nächsten.

Sie ist die Erkenntnis im Herzen des Poeten,

Die Hingabe des Malers für die Schönheit,

Die Melodie unter den Fingern des Harfners.

Liebe klingt von den Saiten der Harfe,

Gesang der Nachtigall ist ihre Stimme.

Aus Elfenbein ist ihr Gestell.

Lerne nach dem Gesetz der Weisheit leben!

 

46.

Tue Guttes und erwarte kein Lob dafür,

Fange die Regentropfen in deiner Hand

Und benetze damit die Lippen des Durstenden.

Gib Weizen dem Hungernden aus den Scheunen deiner Seele,

Hilf ihm in meinen Weg zu schreiten.

Sei Spiegel seines Leides

Und seiner Hoffnungen.

Sei Spiegel in seiner Hand,

Damit er wisse, wohin er geht,

Damit seine Füsse unter der Last seines Leides nicht stolpern,

Damit kein Tiger ihn überfalle

 

47.

Und keine Boa sich auf ihn herab schlängele, ohne von ihm bemerkt zu werden,

Damit er in einen Abgrund aus Versehen nicht stürze.

Im Kleinen liegt die Wahrheit.

Viele Worte sagen nichts aus.

Schöne Worte bereiten nur dem Ohr Freude.

Die sanften Worte geben Flügel dem Geiste.

Trenne dich nicht von dem Freunde,

Den du in den Jahren deiner Jugend gewonnen hast.

Gehe nicht allein in den Wald für Erdbeeren,

dass eine Schlange aus dem Gras nicht krieche

Und der Schlaf des Todes dich nicht überweltige.

Deine Augen könten sich in der Waldstille schliessen.

 

48.

Ein Wolf könnte dir begegnen,

Ein Bär könnte dich mit der Tatze verletzen.

Sei aufmerksam, wohin du auch gehst.

Ich bin die Quelle.

Fremde Wässer sind giftig, wenn auch süss.

Schau nicht das Gesicht an, schau in die Seele des Guten hinein,

Vernehme das Schweigen der Liebe.

Leihe kein Ohr der Vielstimmigkeit.

Die Lüge hat viele Fallen für den Leichtgläubigen.

Pflanze einen Baum in deinen Garten

Und erfreue dich an seine Äste,

Watre auf seine Früchte, begiesse ihn mit deiner Liebe.

 

 

49.

Hab keine Angst vor den Nächten des Wachseins.

Die Verbrechen rauben dem Diebe den Schlaf.

Die Schatten der Ermordeten verfolgen nachts den Mörder.

Die Täuschungen nichteingehaltener Versprechungen

stören die Nachtruhe des Machthabenden.

Glaube dem Armen, gehe am Reichen vorbei.

Schau den Mond an. Er schweigt und weisst alles.

Er geht unter und auf,

Verschwindet und erscheint wieder,

Einmal rund wie ein Brotlaib, ein andermal schmal wie eine Sichel.

Keine Furcht hat er vor der Zeit.

Wie viele Augen haben zu ihm geschaut. Wo sie sind jetzt?

50.

Der Strom der Zeit beugt sich meinem Willen,

Der Blick der Neider kann meines Willens Gang nicht aufhalten.

Die Toten kennen meinen Willen,

Die Lebenden nehmen ihn wahr,

Die Kommenden werden ihn erkennen,

Bevor sie in das Schattenreich untergehen.

Lerne von seiner Bescheidenheit, von der Stimme seines Schweigens.

Lass nicht zu, dass der Klang des Goldes

und der scheinbare Prunk des Ruhms dich verlocken.

Ummantle dich mit teueren Pelzen nicht.

Setze dich an eine Tafel mit Herrschern nicht,

Prahle mit dem Wohlwolen der Machthabenden nicht.

 

51.

Sie dachten, ihre Herrschaft sei ewig.

Heute Geklirr von Gläsern, morgen Messer an die Kehle.

Das Glück ist in der Stille deines Herzens,

In der Heiterkeit deines Geistes,

In die Liebe zum Allmächtigen, in der Umarmung des Unvergänglichen,

In der Strahlung meines Lichtes.

Ich bin dein Gott und ich komme, sobald du mich anrufst.

Ich reisse dich aus den Armen deiner Feinde,

Ich nehme die Stricke von deinem Hals weg,

Ich rette dich aus der Bedrängnis,

Ich werde zur Burg deiner Ruhe,

Zur Zuflucht deiner Weisheit.

 

52.

Versuche nicht, die Menschen zu ändern,

Zwinge sie nicht, deinen Schritten zu folgen,

Auf deinem Pfad zu gehen.

Zahlreich sind die Pfade, einzig ist der Weg.

Ein Brunnen ist das menschliche Herz,

Sein Boden berührt den Himmel im Süden,

Seine Öffnung erreicht den Himmel im Norden.

Die Zeiten drehen die Winde des Brunnens,

Meinem Willen nach fällt der Kübel hinunter und geht hinauf.

Leer fällt er, voll steigt er hinauf.

Generationen aber Generationen schöpfen Wasser daraus,

Das Wasser erschöpft sich nicht.

 

53.

Im Sommer vertrocknet er nicht.

Im Winter erfriert er nicht.

Feste Hand soll das Rad des Guten drehen.

Im Schweigen läuft der Kübel hinauf.

Das Seil der Liebe reisst niemals.

Fest sind seine Faser verflechtet.

Böse und Kaltherzige verdursten.

Aufgesprungen sind ihre Lippen,

Ermattet ihre Arme,

Kraftlos ihre Finger.

Keine Kraft haben sie die Winde am Brunnen in Bewegung zu setzen.

Öde sind ihre Tage.

Sände verbrennen ihre die Füsse, kein Wasser gibt es für sie.

 

54.

Sie haben meinen Namen vergessen.

Sie haben mein Gesetz verschmäht.

Einsam begeben sie sich auf das Jenseits.

Lehre sie, meinem Willen zu folgen,

Wasser aus meinem Brunnen zu hohlen.

Ich werde ihren Durst stillen,

Ihre Lippen mit meinem Geiste benetzen.

Ich lasse Ihre Wangen wie Rosen aufblühen,

Ihre Augen wie das Morgenrot strahlen.

Die Stunden ihres Lebens werden sich in blühende Felder verwandeln,

Rauschende Bäche werden ihre Füsse spülen,

Palmen werden ihre Häupter beschatten.

 

55.

Nehme kein Reiskörnchen vom Teller des Armen sogar weg,

Denn es dir in die Kehle stocken.

Entsätzlich ist das Geschick des Diebes.

Er meint: “Niemand sieht mich.

Er schleicht sich ins fremde Haus.

Zittern seine Hände.

Das Stehlen hat ihm gut bekommen. Niemand hat ihn gefangen.

Vermehren sich seine Verbrechen.

Immer grösser wird seine Verbissenheit,

Immer fürchterlicher wird seine Grausamkeit dem Schutzlosen gegenüber.

Sein Gesicht ist wie aus Stein gemeisselt,

Kein Zucken bewegt sein Herz.

 

56.

Die Liebe flieht vor ihm.

Todesgestank schlägt aus ihm.

Niemand liebt ihn. Niemand wartet auf ihn.

Niemand berührt ihn mit der Spitze des Fingers sogar.

Entsetzlich ist seine Verwesung.

Er selber hat sich die Schlinge um den Hals gelegt.

Den Weg seines Verderbens gewählt.

Stehe ihm mit gutem Worte bei.

Rede ihm ein, dass er den Weg der Verbrechen aufgibt,

Dass er mit seinen Untaten aufhört,

Dass er das Gestohlene zurückgibt,

Dass er sich von der Bosheit, die seine Seele aufzehrt, befreit.

 

57.

Dass er den Knoten seiner Lügen entwirrt,

Um Ruhe in seinem Herzen zu verspüren.

Er weiss, dass ich seine Taten und

Die Pfade seiner Gedanken kenne.

Ich bin anwesend. Möge er sagen:”Es gibt keinen Gott!

Was geht mich der Himmel an? Es gibt keine Vergeltung!

Ich werde tun, was ich will! Sieht jemand mich vom Himmel herab?

Ich darf rauben. Ich darf betrügen.

Ich darf sogar das Hemd meines Opfers aus dem Leibe ziehen und das Stückchen Brot,

Das er für den nächsten Tag aufgehoben, von seinem Tisch nehmen.

Ich darf die Decke der Verstorbenen, die am Tag zuvor begraben wurde, entwenden.

Wer kann mich daran hindern?”

58.

Führe den Dieb mit deinem Worte an die Quelle.

Spende ihm vom Wasser meines Brunnens.

Schwarzer als die Finsternis ist sein Kummer.

Heimlich fragt er sich:”Warum bin ich noch am Leben ?”

Und geht weiterhin auf den Weg des Übels.

Seine Augen schliessen sich in der Nacht nicht.

Wie ein Wolf, der seine Höhle verlassen hat, irrt er umher.

Funkeln seine Pupillen.

Arme streckt er nach fremdem Besitz aus.

Bosheit und Angst erfüllen seine Gedanken.

Kein Glück findet er.

Freudlos ist seine Seele.

 

59.

Keine Ruhe hat er im Herzen.

Ausgestorben sind die Äste des Baums.

Kein Vöglein setzt sich darauf.

Keine Ameise läuft auf seinem Stamm.

Würmer fressen in seine Wurzeln.

Zerbröckelt ist seine Rinde.

Schlangen winden sich um den Baum.

Verzeih dem Diebe.

Zieh den Kübel vom Boden meines Brunnens herauf.

Tränke die Wurzeln des Baums, gib Leben seinen Blättern.

Lass ein neuer Baum auf neuem Boden wachsen.

Das wird deine Aufgabe sein.

 

 

60.

Wende deinen Blick der Sonne zu.

Trinke aus meinem Licht.

Preise das Leben, das ich dir gegeben habe.

Ich stehe an deiner Seite.

Ich bin der Leuchtturm am Ufer des Ozeans,

Ich bin der Fels über dem Abgrund.

Du wist nicht hinunter stürzen.

Eher als du von meinem Geiste eingeatmet hattest,

Eher als du im Mutterschoss warst, hatte ich dich erwählt.

Vor Unglück habe ich dich beschützt.

Über die Fluten habe ich dich erhoben.

Lieder habe ich aus deinem Herzen strömen lassen.

 

61.

Kraft habe ich dir gegeben , damit du einen Dom der Liebe aufbaust,

Damit du die Grenzen der Zeit überspringst,

Damit du das Bild der Jugend, welcher du auf deinem Wege begegnet hast,

In die Ewigkeit weitergibst.

Beschenke meine Menschen mit Freude!

Rette die Gefallenen,

Gib Mut den Schwachen und

Hoffnung den Verlassenen!

Sei Zuflucht für die Verstossenen,

Brot für die Hungernden,

Trost für die Bedrängten,

Stütze für die Kraftlosen!

 

62.

Halte dich vor den Toren der Vornehmen nicht auf,

Bewerbe dich um die Freundschaft der Berühmten nicht.

Neid erfüllt ihre Seelen.

Breit sind ihre Augenlider aufgeschlagen,

Löwenähnlich ist ihr Gang,

Zu Staub werden ihre Knochen.

Ihr Ruhm vergeht.

Der Wind verweht ihre Feder.

Strecke deinen Arm zum Betteln nicht aus,

Unermesslich ist dein Reichtum.

Die Sterne können ihn nicht erreichen.

Die Sandkörnchen sind nur zerbröckeltes Gestein ihm gegenüber.

 

63.

Das Wort bei dir. Du streichelst die Seelen der Menschen.

Führe sie in der Stille ihrer Tage zu mir.

Führe sie aus dem Schattenreich hinaus.

Mache die Tore des Lichts vor ihnen auf.

Lasse ihnen Zeit zur Besinnung.

Gross ist der Auftrag, den ich dir erteile.

Sei nicht betrübt, dass deine Liebe verschmäht ist,

Dass die Vornehmen dich missachten,

Dass sie dich zu ihren Tummelplätzen nicht auffordern.

Lass sie mit Ihrergleichen essen und trinken,

Den Ruhm unter sich teilen,

Sich in Lügen gegenseitig übertreffen.

 

64.

Lass sie verächtlich auf dein Gesicht schauen,

Lass es, Futter ihrer Reden sein.

Einsam bist du nicht.

Meine Liebe ist bei dir.

Ich habe Kraft deinem Worte und Lebenswasser deinem Geiste gegeben.

Drehe nur die Winde am Brunnen, der Kübel geht sofort hinauf.

Ich, der Ewige, der Unbestechliche, lasse dich nicht allein.

Ich fülle deinen Becher mit Segnen.

Lass meine Menschen wissen, dass mein Herz dir zugewandt ist.

Wie ein Diamant habe ich dich auf Probe gestellt. Meinen Namen hast du nicht verleugnet.

 

65.

Arm bist du – ich überhäufe dich mit Gaben,

Hunger hast du – mit meinem Worte mache ich dich satt,

Traurig bist du – meinen Engel sende ich zu dir, für dich zu spielen,

Die zarten Saiten der Harfe berührend.

Davids Geist wird dich führen.

Himmlische Lieder werden unter seinen Fingern strömen.

Dein Betrünis wird sich mit den Winden zerstreuen.

Freude wird dein Herz erfüllen.

Neue Kraft wird in deine Seele aufkommen.

Neue Worte werden auf deinen Lippen aufblühen.

Kein Pfeil wird dich erreichen.

Kein Federchen wird von deinen Flügeln fallen.

 

66.

Ich werde dich beschützen.

Lass die Leute dich beneiden, lass sie von dir reden.

Ich habe dich bei der fürchterlichen Flut am Leben gelassen.

Ich will, dass du mein Wort meinen Menschen überträgst.

Ich habe dich in meiner Umarmung geborgen.

Ich habe dich zum Sparchrohr meines Wortes berufen.

Fürche vor nichts!

Dein Name wird nicht verschwinden.

Er wird wie Geklirr von Gläsern,

Wie ein Hochzeitlied,

Wie ein Marsch zum Schlachten gehender Krieger nicht verschallen.

 

67.

Erhalte mein Gesetz aufrecht!

Rede zu meinen Menschen auf der neuen Erde,

Dass auch sie daran festhalten.

Das spreche ich, der Erste und der Letzte.

Trenne dich nicht vom Armen.

Vernehme das Stönen des Einsamen.

Gehe in die Stille seines Leides hinein.

Bringe Licht in die Dunkelheit seiner Erwartung.

Erkenne die Kummer in der Kette seiner Stunden.

Leihe kein Ohr den Menschengereden.

Horche auf die Stimme deines Gewissens.

Ich habe dir den Schlüssel zu den Höhlen der Seelen gegeben.

 

 

68.

Mach die Tore auf.

Zünde deinen Leuchter an.

Lass dich von der Vielstimmigkeit der Reden nich bezaubern.

Lügen sind der Faden ihrer Perlen.

Beurteile mit Weisheit die Taten des Nächsten,

Ob sie ein Spiegel meines Willens oder

Gestein in den Abgrund des Vergänglichen sind.

Spitze dein Gehör für das Nichtausgesprochene,

Damit du die Wahrheit des Ausgesprochenen begreifst.

Ergebe dich nicht dem Zweifel.

Glaube an mein Wort.

Ich habe dir die Weisheit gegeben, welche du haben möchtest.

 

69.

Die Waage ist in deiner Hand.

Hebe nicht nur die Augenlider, hebe deinen Kopf , mein Sohn.

Sieh die Schritte der Ameise.

Sollte dich die Welt ausstossen, werde ich dich niemals verlassen.

Ich bin Dein Gott.

Weder meine Pläne, noch

Die Richtung meiner Fügung kennst du.

Ich habe alles zu dienem Wohl vorbereitet.

Ich habe die Sünden aus deinem Leben gelöscht.

Ich habe dich weisser als der Schaum des Meeres,

Wärmer als Sommersonne,

Weicher als Taubenfeder gemacht.

 

70.

Sage meinen Menschen, dass ich mildtätig bin,

Obwohl ich die Fluten über ihre Häupter liess.

Ich habe die Übeltäter in die Folterkammer der Hölle nicht geschickt.

Ich habe die sieben Engel,

Mit den sieben Schwerten an der Hüfte,

Mit den sieben Ketten in der Hand zurückgerufen.

Ich habe dein Herz gehört

Und die Freude in deinen Worten verborgen.

Ich werde dich immer beschützen.

Fürchterlich bin ich für die Gesetzlosen.

Mild bin ich den Demütigen,

Den Armen und den Leidtragenden gegenüber.

 

71.

Du bist meines Herzens Sohn,

Meines Geistes Geschöpf.

Erzähle von meiner Güte.

Vergebung ist in den Tiefen meines Sinnes verborgen.

Licht ist die Mutter meiner Geschöpfe.

Hab Zuversicht auf meine Rechte.

Denke nicht an deine Verfehlungen,

An die Dorne, die deine Füsse verletzt haben,

Schreite aufrecht auf dem Pfad des Guten.

Eine Taube kommt an dein Fenster geflogen.

Sie weckt dich mit dem Laut ihrer Not auf.

Gib ihr Bröckel von deinem Brot.

 

72.

Weigere ihr die Bröckel auf dem Fensterbrett

Und das Bisschen Wasser im kleinen Teller nicht.

Mach vor dem Hungernden deinen Sack auf.

Man weiss nicht, wer ihn morgen auffüllen wird.

Deine Seele soll nicht geizen,

Denn es möge sein, dass du selber nach Bröckeln bei Freigebigen suchest.

Niemand kennt sein Geschick schon vorher.

Vertreibe nicht die Liebe aus deinem Leben,

Das Erbarmen aus deinem Herzen,

Die Weisheit aus deiner Vernunft.

Suche nach meiner Wahrheit in der Stille deines Tuns,

Blase die Flamme der Kerze in deiner Hand nicht fort.

 

73.

Ich kenne jede Falte deiner Seele,

Jeden Hauch deiner Gedanken.

Vermehre deines Herzens Erbarmen.

Neider legen Netze um dich.

Sie wollen dich in ihren Faden umstricken.

Ich rette dich davor.

Nichts Schlimmes wird dir passieren.

Ich bestimme den Gang des Menschen,

Hyänegang oder Hirschgang.

Flösse Mut den Einsamen,

Den von der Frost der Gleichgültigkeit Überwältigten ein.

Begiesse die Beete ihrer Glaube.

 

74.

Damit sie wissen, dass ich der Gott bin,

Dass ich über ihre Wege regiere.

Ohne mich können sie nichts anfangen.

Die Jahrhunderte vergehen ihrem Rythmus nach.

Die Zeiten reihen sich meinem Willen nach.

Meine Menschen kommen zur Welt, leben und sterben.

Königreiche schwingen sich bis zu den Himmeln hinauf.

Königreiche werden zu Staub unter meinen Füssen.

Ich nur bin ewig.

Die Herrscher können nicht, mich mit ihrem Ruhm in Erstaunen setzen,

Mich in ihre Netz umstricken,

Mich mit ihren Lügen beirren.

 

75.

Sie können nicht, mich mit ihren Schätzen gewinnen,

Um danach zu sagen: “Wir wollen ewig herrschen!”

Gibt es etwas, ausser mir, was unter dem Himmel ewig ist?

Ich schaue nach Norden – Königreiche werden zu Staub,

Ich schaue nach Süden – Königreiche werden zu Staub,

Ich schaue nach Osten – Königreiche werden zu Staub,

Ich schaue nach Westen – Königreiche werden zu Staub.

In Wimperzuck geschieht mein Wille.

Voll Verachtung waren die Herrscher, unersättlich in ihrer Gesinnung.

Die Zeit wollten sie in ihrer Hand ergreifen,

Über meine Menschen wollten sie verhängen,

Mein Gesetz wollten sie auslöschen.

 

76.

Sie haben nichts in das Jenseits mitgenommen.

Ihre Gier liegt in die Erde begraben.

Ihre Knochen verwittern in den Grüften.

Trübe schimmert das Andenken an sie vor meinem Blick.

Mache ich die Augen zu, schwindet es in die Finsternis der Ewigkeit.

Wo sind die Kriegswagen, mit feuerigen Pferden bespannt,

Wo sind Cäsaren, Päpste und Könige?

Wo sind ihre Schlösse und Paläste?

Staub! Staub! Staub!

Preise mich, mein Sohn.

Sage meinen Menschen die Wahrheit,

Sie sollen in ihrem Stolz nicht überheblich sein.

 

77.

Was bedeuten die Kronen und die Purpurumhänge,

Die Grossen und ihre Macht meinem Willen gegenüber.

Preise mich in der Stille deines Geistes.

Rufe mich in den Stunden deines Alters heran.

Ich komme und lasse dich nicht in den Händen

Der Heuchler, der Barmherzigkeit Vorteuschenden,

In den Händen derer, die darauf warten, dein letztes Hemd zu rauben,

Sobald der Totengräber dein Grab zugeschüttet hat.

Ich bin an deiner Seite in der sichtbaren und unsichtbaren Welt.

Ich bin der Herr des Lebens und des Todes.

Du hast mich erkannt.

 

78.

Füge dich meinem Willen und du wirst von allen irdischen Übeln erlöst.

Meine Liebe wirst du in deiner Hand fassen.

Mein Licht wird dich umgeben.

Wisse! Ich liebe dich.

Verliere den Stern aus der Sicht nicht.

Weiche von meinem Wege nicht ab.

Suche dein Glück nicht in Strassen und Kreuzungen,

In Gebirgen und Klöster,

In Gelächter der Ausschweifenden,

In die Umarmung der Käufligen,

In Weinberecher und Kreuterrauch.

Suche in dich selber und du wirst es finden.

79.

Schau in dein Herz hinein und du findest Ruhe.

Mein Licht hat es erhellt,

Friede hat es erfüllt,

Die Wallung in deiner Seele hat sich besänftigt.

Du wirst das Heim betreten, das ich für dich vorbereitet habe.

Ich bin der Gott und ich sage das, damit du die Wahrheit weisst.

Irre nicht in der Dunkelheit des Vergänglichen,

Irre nicht durch die Eitelkeit der Wünsche,

Durch die Schatten, welche lodernde Flammen werfen.

Ich habe dich geschaffen, damit du das Ewige erkennst,

Damit du Freude hast, damit du mir folgst während deiner Tage

Und mich preisest während deiner Nächte.

 

 

80.

Höre der Sprache der Bösen nicht zu.

Honig triftet daraus, aber ihre Gift ist fürchterlich.

Bunt sind ihre Stricke, aber grausam.

Lausche auf die Stimme des Unsichtbaren,

Auf die Stimme des Geistes, der zu dir spricht.

Freue dich auf die Geburt, hab keine Furcht vor dem Tod.

Ich war an deiner Seite während der Vielfalt deines Daseins.

Wenn du mit geschlossenen Augen gehen würdest, trotzdem stolperst du nicht.

Mein Arm wird dich stützten.

Ich werde dich auf den Weg führen.

Ich werde die Finsternis vor deinen Augen scheuchen.

Einen Strahl meines Lichtes werde ich auf deine Schritte richten.

 

81.

Deinen Namen rette ich vor Vergessenheit,

Vor den Schmähungen der Bösen, die keine Ehrfurcht vor mir haben

Und sagen: ”Es gibt keinen Gott. Es gibt keine Strafe.

Lass die Gelehrten sich über ihre Bücher beugen.

Schau die Dinge an, die sich in dir zutragen

Und du wirst begreifen, dass ich anwesend bin.

Sieh, du stehst vor mir. Der Engel hat das Buch der Zukunft aufgemacht.

Er liest mein Wort vor.

Mein Licht scheint vor deinen Augen.

Wer kann sagen: “Du lügst!”

Ich habe die Erde, die dem Übel verfallen war,

Unter den Fluten gesenkt. Ich habe sie vertilgt.

 

82.

Ich lasse die Wässer sich verlaufen.

Neue Erde schaffe ich.

Neue Menschen, die mein Gesetz befolgen, werden auf dieser Erde leben.

Du wirst ihnen meine Worte ausrichten.

Und der Engel machte das Buch der Zukunft zu.

Und Gott nahm mich mit sich in die Höhen über seinen Thron hinauf,

Bis zum Gipfel der Himmel,

Über die Welt der Welten.

Das Licht wurde Feuer.

Feuerfunken rasten durch den Raum.

Gott winkte mit der Hand und sie sammelten sich in seine Hand.

Er warf sie unter seine Füsse hinab.

 

83.

Donnernd hallte seine Stimme durch das All.

Gott sprach: “ Es werde neue Erde!

Es werde, dass neue Menschen sie bewohnen!”

Das Wasser fing an abzunehmen.

Himmel und Wasser trennten sich voneinander.

Die Gebirge ragten heraus.

Die Sonne ging auf.

Und die Wässer verliefen sich.

Meere und Ozeane zogen sich zurück.

Das Land breitete sich vor meinen Augen aus.

Gott sprach zum Engel:

 

84.

“Ruf sieben gerechte Seelen heran!”

Der Engel rief sie heran.

Die Seelen der Gerechten richteten sich

Vor dem Licht auf.

Sie verbeugten sich und erhoben ihre Arme.

Freude und Sanftmut strahlten ihre Augen aus.

Friede und Liebe strömten von ihren Gesichtern.

Gott sprach zu ihnen:

“Ich habe den Strom der Zeit aufgeschlossen.

Ich habe die Flut verlaufen lassen.

Ich habe neue Erde und neuen Himmel geschaffen.

Ich rufe euch in Fleisch und Blut ins Leben zurück,

Euch, Seelen des Lichts!”

 

85.

Geht mit dem Mann an meiner rechten Seite zur neuen Erde.

Haltet auf dem höchsten Gipfel des Gebirges an.

Ich lasse jetzt Nacht werden.

Die Funken, die ich hinunter geworfen habe,

Verwandeln sich in Sterne.

Mit meiner Hand zerschneide ich den Himmel.

Die Sterne werden sich über die Erde verstreuen.

Ich lasse sie zu Menschen werden.

Ich hauche ihnen Leben von meinem Geiste ein.

Ihr werdet sie auf meinem Weg führen.

Dieser Mann wird ihnen meine Gebote offenbaren.

Für ihn habe ich sie im Buch der Zukunft aufgeschrieben.

 

86.

Ich habe ihn zum Erzieher meiner Menschen berufen.

Ich habe Rede in seinen Mund gelegt.

Ich habe Verse in seine Seele gesät.

Ich habe Liebe in sein Herz verborgen.

Ich habe ihn mit Vernunft gesegnet.

Handelt Tag und Nacht seinen Worten nach,

Damit mein Zorn nicht zurückkehrt,

Damit diese Erde und dieser Himmel wiederum nicht zugrundegehen.

Hört seinen Reden zu

Und sagt nicht :”Wer hat ihn dazu befugt, in Gottes Namen zu reden?

Wie kann er sich anmassen, Erzieher der Menschen zu sein?”

 

87.

Ich nehme weg, ich lasse zuteil werden.

Ich bestimme, dass die Nachtigal singt,

Dass der Adler um den Berggifel kreist,

Dass die Ameise Körnchen sammelt,

Dass der Glückskäfer seine Flügeldecken aufmacht.

Ich gebe dem Poeten das Element,

Dem Maler den Blick,

Dem Tonsetzer den Klang in der Seele.

Kraftlos sind die Menschen mir gegenüber.

Meinen Willen können sie nicht abschafen.

Das, was ich geschaffen habe, können sie nicht zerstören.

In meine Pläne können sie sich nicht einmischen.

 

88.

Ich bestimme wem und was,

Heute oder morgen, am Morgen oder am Abend,

Hier oder dort zu geben. Alles steht vor meinen Augen.

Im Kerne sehe ich die Äste,

Die Früchte und

Die Wurzeln des Baums.

Ich gebe das Wasser, damit er nicht vertrocknet,

Damit seine Blätter schiessen

Und und seine Früchte reifen.

Wer wagt es, sich in mein Werk einzumischen?

Das sage ich, Euer Gott.

Ich will das, also wird es geschehen!

 

89.

Sieben Engel traten dann vor.

Sieben Harfen hatten sie in der Hand.

Sieben Lieder sangen sie zum Abschied.

Sieben Erzengel nahmen uns auf ihre Flügel

Und brachten uns auf die neue Erde, auf den höchsten Gipfel des Gebirges.

Die Sonne ging unter. Es wurde Nacht.

Ein Feuerstrahl zerschnitt den Himmel.

Sterne zerstreuten sich über die Erde.

Ferne Lichter fingen an, im Himmel zu schimmern.

Der Mond nahm erneut seinen Lauf auf.

Musik umschloss die Himmelssphären.

Harfenklang berührte sanft unsere Herzen.

 

90.

Die sieben Erzengel liessen uns auf die Erde.

Die Flammen ihrer Flügel schwanden in die Himmel.

Die sieben Seelen in Fleisch und vom Licht umgeben

Wendeten sich in sieben Richtungen der Erde.

Eine warmer Hauch umwehte mein Gesicht.

Eine Hand legte sich auf meine Schulter.

Ich wandte den Kopf und sah einen Engel neben mir

Und hörte seine Stimme:

“Ich bin hier!

Ich bleibe mit dir auf deinen Weg.

Meine Liebe wird dich beschützen.

Ich werde der Vogel über die Wellen deiner Tage sein!

 

91.

Ich schloss die Augen in der Umarmung des Engels.

Der Anblick des Lichts breitete sich vor meinen Augen aus.

Die Wälder schossen neues Laub.

Vögel flogen in der Luft.

Die Felder grünten.

Die Gebirge blauten.

Die Flüsse strömten.

Die Lämmer blökten.

Die ganze Erde sang:

“Unser Gott, wir beugen uns vor Dir!

Deinen Namen und Deine Gnade preisen wir.

Du hast die Quelle des Lebens aufgeschlossen!

 


 

Vom Autor und seinem Schaffen

 

Jordan Vatev wurde am 7. Maerz 1933 in Sofia geboren.

 

Er absolviert die philosophische Falkultaet an der Universitaet in Sofia im Jahre 1966. Als Doktor der philosophischen Wissenschaften doziert er jahrelang Rhetorik an vielen Hochschulen in Bulgarien.

 

Sein literarisches Wirken beginnt mit der Uebersetzung aus Franzoesischem des “Buchs der Toten alter Egypter” (I. Auflage 1982, II. Auflage 1996).

 

Seit 1991 wendet er sich ausschliesslich seinem eigenen lieterarischen Schaffen zu. Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts veroeffentlicht er folgende Werke:

 

Der Brief – ein Dialog der Gefuehle (1991), Spiegel auf den Weg - Aphorismen (1992), Fabeln (1992), Moderne Rhetorik (1993), Graphologie – die Handschrift spricht fuer sich selbst (1994), Jenseits der Einsamkeit – Aphorismen (1995), Der Dom – Sonette (1996), Der Becher brennt in meiner Hand – sieben Sonettenkraenze (1998), Die Sintflut (1998), Vierunddreissig Sonette an Jesus Christ (2000).

 

 

ÜBERTRAGEN VOM BULGARISCHEN VON VASSIL RADEV

SOFIA, den 15. 01. 2001